Erfolg ist Charaktersache
12. Oktober 2016

„Manchmal lernt man eben auf unangenehme Art“

2:6, 5:7 gegen Viktor Troicki: Die Erste Bank Open 2016 endeten für Dominic Thiem mit einer herben Enttäuschung. Woran lag’s? Günter Bresnik erklärt die Hintergründe.

 

Was ist der Hauptgrund für Dominics gestrige Niederlage gegen Viktor Troicki?

Ganz einfach: Er hat eine schlechte Leistung gebracht. Dominic war extrem fehleranfällig. Weil er Troicki nicht ausspielen wollte, sondern erschießen. Hopp oder tropp, panisch auf den ersten, zweiten Ball draufhauen, das ist nicht sein Spiel.

 

Panik, das klingt nach einer Sache der Nerven? Viele Fans in der Halle, große Erwartungen …

Nein, und all das mag er ja auch. Hohe Erwartungen muss man sich erarbeiten, nur von Losern erwartet man nichts. Und Nervosität hätte ich vielleicht in der ersten Runde verstanden, erstes Spiel zuhause, noch dazu gegen einen Österreicher. Aber da hat er sehr gut gespielt. Und sich auch sehr gut bewegt.

 

Außerdem hat Troicki taktisch und kämpferisch eine tolle Leistung gebracht?

Troicki hat sehr gut gespielt. Aber wenn die beiden gegeneinander spielen, entscheidet Dominics Leistung darüber, wer als Sieger vom Platz geht. Man darf nicht vergessen: Troicki steht auf Platz 28, hat eine sehr gute Leistung gebracht, und ab 0:4 war es trotz Dominics schlechter Leistung eine offene Partie.

 

Die Bilanz der Breakbälle im zweiten Satz: sieben erarbeitet, null verwertet.

Man muss immer sehen, wie die Punkte gespielt wurden. Die meisten hat Troicki sehr gut abgewehrt, sehr gut serviert. Bei zwei Breakbällen hatte Dominic eine gute Chance. Diese beiden Chancen muss er eigentlich nützen und nützt er in neun von zehn Fällen auch. Das waren Schlagfehler, die ihm im Training vielleicht einmal im Monat passieren. Fehler, die ins Gesamtbild gepasst haben: Er war einfach müde, träge.

 

Als Folge der langen Saison?

Die Saison ist zwei Tage länger als am Dienstag, das kann also keine Rolle spielen. Seine gestrige Leistung hat sicher mit einer gewissen Müdigkeit zu tun. Aber nicht weil er zu viel Tennis gespielt hätte. Dominic tut nichts lieber als Tennis zu spielen, er trainiert seit 15 Jahren dafür, dass er Tennisturniere erfolgreich bestreitet. Das lasse ich nicht gelten. Einen Grund muss es aber geben, nichts passiert ohne Grund. Vielleicht spielt das späte Doppel am Mittwochabend mit, er war nach dem Spiel, der Massage, dem Essen erst um zwei, halb drei Uhr im Bett. Und er kann nicht länger schlafen als bis acht. Sein normaler Rhythmus sind acht bis zehn Stunden Schlaf, diesmal waren’s nicht einmal sechs. Das kann eine Rolle spielen. Und natürlich auch die Masters-Rederei, die spukt sicherlich in seinem Hinterkopf herum. Aber das sind alles Erfahrungen. Er ist ein junger Spieler, und er ist ein intelligenter Spieler – das heißt, er lernt jeden Tag dazu. Manchmal eben auf unangenehme Art.

 

Apropos Masters-Rederei: Wäre es nicht auch ein Erfolg für ihn, als neunter Mann nach London zu fahren, als Ersatzmann?

Das wäre für ihn die Höchststrafe. Bei einem Turnier zu sein und zuschauen zu müssen, nicht selbst spielen zu dürfen, das ist für ihn wirklich schlimm.

 

Wann geht es nach Paris?

Morgen, Samstag.

 

Die Erwartungen?

Keine konkreten. Wenn er ein, zwei Runden gewinnt, ist die Masters-Sache mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geregelt, das wäre schon ein enormer Erfolg.

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